Mein Alltag,  Vanlife

Was ich beim VAN Ausbau über Yoga lernte

Als Kindergartenpädagogin und Kinderyogalehrerin bin ich ja ständig auf der Suche nach einem interessanten Thema.

Etwas, worüber es sich auszahlt näher darauf einzugehen bzw. in meinen Yogaeinheiten zu sprechen.
Du weißt schon, dieser eine tolle Gedanke, der dich in deiner prozessorientierten Arbeit oder am Anfang der Yogastunde fünf Minuten vom Üben abhält.
Also gehe ich mit offenen Ohren durch die Welt und höre anderen gerne zu.
Etliche Male ergibt sich genau auf diese Art und Weise ein interessanter Blickwinkel der Dinge und damit ein Thema für eine Yogaklasse, ein Thema im Kindergarten oder einen Blogbeitrag. Dieses Zuhören ist meiner Meinung nach ein Teil meiner Achtsamkeit.
Es gibt Menschen, die würden unter Umständen gegebenenfalls behaupten, dass ich zu viel von meinem Privatleben preisgebe.
Jedoch geht es beim Yoga beiläufig immer ums Privatleben.
Ich möchte ja auch abseits des Yogaunterrichts nach yogischen Prinzipien leben. Und aus diesem Grund hat es seine Vorteile, immer ganz genau zuzuhören, wenn das Leben etwas zu erzählen hat.

Die Dreiecksbeziehung der Zeit

Auch wenn meine Lauscher durch die jahrzehntelange Beschallung durch die Stimmen im Kindergarten schon etwas überstrapaziert sind, musste ich in den letzten zwei Monaten nicht angestrengt zuhören. Ja, ich weiß, es waren Sommerferien. Meine Erholungszeit. Meine Zeit um achtsam mit mir selbst zu sein.
Deshalb war es ganz einfach herauszufinden, worüber ich heute schreiben werde.
Denn auch mein Zuhause hat immer wieder Überraschungen für mich parat:

Einsamkeit – Zweisamkeit – Familienzeit.

Innerhalb weniger Tage wurde ich gleich mit drei besonderen Formen von Zeit konfrontiert, die mich am Ende der Ferien zu einer deutlichen und entscheidenden Schlussfolgerung für mein Yogadasein brachten:

Geocaching

Na gut, diese Herleitung ist ziemlich komisch. Aber ich erwähnte ja schon: Das Thema hat sich direkt aufgedrängt. Ich war jedenfalls in den letzten Wochen ziemlich oft geocachen … ALLEINE.
Weil in ich die Einzige in meiner Familie bin, die dieses umfangreiche Hobby ausführt.
Ich bin gerne alleine unterwegs. Meine Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf meinen Weg und was ich dabei erlebe, mein Ziel und die dazugehörige Konzentration und das Erlebnis, von dem ich erzählen kann.
Ich habe für mich herausgefunden, dass „Alleine sein“ absolut nichts mit „Einsamkeit“ zu tun hat. Das sind zwei verschiedene Ebenen.

Ferienzeit

Die Ferien sind an und für sich ein toller Vorwand, um lange zu schlafen und sich die Nächte um die Ohren zu hauen. Und dieses Jahr konnte ich die abwechslungsreiche Ferienzeit mit meiner Familie und Freunden so richtig genießen. Denn die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Dieses Gefühl hatte ich zuletzt als Schülerin, wo ich noch keiner Versorgerverpflichtungen hatte. Und das bringt mich dann doch zum Nachdenken. Meine Kinder werden von Jahr zu Jahr selbständiger und meine Anwesenheit wird fast nicht mehr benötigt. Gemeinsame Unternehmungen sind fast ausschließlich über Terminvereinbarungen möglich, weil meine Große schon ihre eigenen Wege geht und jedes einzelne Familienmitglied seine freie Zeit individuell gestaltet. Dann kommt es schon mal vor, dass ich da sitze und mich frage „Was mach ich jetzt?“
Gut … langweilig wird mir sowieso nie. Doch an die neu gewonnene Zeit muss ich mich erst gewöhnen.
Ach ja, und was das „lange Schlafen“ und „die Nächte um die Ohren schlagen“, das ist eine Wunschvorstellung. Klappt nicht. Auch das muss ich akzeptieren. Ich stehe mit den Kirchenglocken auf und bin hundemüde, wenn die Sonne untergeht.

Beim VAN Ausbau

Mit dem Kauf unseres T5 habe ich mir vor drei Monaten einen großen Traum realisiert. Also eigentlich war es mein Mann, weil er mir bzw. uns das ideale Fahrzeug kaufte. Beim Rausbau diverser Verbauten und Kabel lernte ich dann auch wirklich was wichtiges für meinen Yogaunterricht: In dieser Zeit verbrachten wir sehr viel Zeit miteinander und auch jeder für sich ganz allein. Da jeder seinen eigenen Kompetenzbereich aufweist. Die ersten Wochen bestanden für mich aus beinhartem Theorieunterricht: Materialkunde, Elektrotechnik und Funktionalität. Ich bin eher der kreative Typ … so nach dem Motto „wird schon irgendwie passen“. Ich will doch einfach nur mehr losfahren und die Welt sehen. Mein Mann ist ein Perfektionist durch und durch. Er bestand darauf: Wir müssten unbedingt wissen, was wir da zusammenbauen. Unser Olaf (ja, so heißt unser Wegbegleiter) soll schließlich drei Funktionen haben. So sehr ich teilweise genervt war, so sehr habe ich auch verstanden, dass es Zeit und Aufmerksamkeit benötigt ein gemeinsames Projekt durchzuziehen. Damit dieser Genuss von Vanlife auch von langer Dauer ist. Auch das ist Yoga.
Was braucht es? (Aufmerksamkeit) Wie setze ich mein Ziel um? (Zuhören und Zeit)

Zeit ist alles

Beim Yoga geht es uns meistens ums „für sich etwas tun“ und weniger ums „gemeinsam erschaffen“.
Doch, ich als Yogalehrerin und Kindergärtnerin, sollte – genau wie beim Van Ausbau – nicht immer gleich loslegen und meine gewohnten Muster/Techniken abarbeiten. Die Meditationen, Flows und Posen. Es wäre von Vorteil, wenn ich mir in erster Linie anschaue, wer sich in den kommenden 50 bis 60 Minuten Zeit für sich selbst nimmt. Wer sitzt da vor mir auf der Matte und was genau benötigt diese Person jetzt? Welchen Part spiele ich dabei? Im Grunde also auch hier: Materialkunde, Elektrotechnik und Funktionalität. Denn nur dann, wenn sich mein Gegenüber und ich die Zeit nehmen und Aufmerksam sind kann eine Balance entstehen. Vielleicht bleibt auch noch nach der Yogaeinheit auf irgendeiner subtilen Ebene, die meine Schüler und Schülerinnen mit nach Hause nehmen, der persönliche Zeitwohlstand aufrecht. Und bei mir als Yogalehrerin, Kindergärtnerin, Partnerin und Mama de facto auch.

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